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Prothese muss nicht sein: Zähne können ein Leben lang halten

Alt und zahnlos? Das war einmal. Immer mehr Senioren haben anstelle von Vollprothesen ihre echten Zähne im Mund. Im Alter braucht das Gebiss aber besondere Aufmerksamkeit.

Das Alter hinterlässt seine Spuren am Gebiss. Der regelmäßige Zahnarztbesuch ist deswegen für Senioren besonders wichtig.

 

 

Das Problem ist hausgemacht: Seit Jahrzehnten predigen die Zahnärzte, wir mögen unser Gebiss ordentlich putzen. Zweimal täglich, nicht zu fest, Zahnseide für die Zwischenräume und bloß nicht direkt nach dem Naschen die Bürste ansetzen, sonst wird zu viel vom gerade aufgeweichten Zahnschmelz weggeschrubbt. Dazu regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt. Wir haben uns dran gehalten und Karies nach Kräften aus unseren Mundhöhlen verbannt, unterstützt von der modernen Zahnmedizin. Mit dem Ergebnis, dass uns unsere Zähne länger erhalten bleiben. Auf den deutschen Nachttischen landen abends nur noch selten Vollprothesen im Wasserglas. Die Zahnärzte hierzulande sehen sich nicht mehr mit dem zahnlosen Alten konfrontiert. Heute sitzt im Behandlungsstuhl der Rentner mit dem alten Zahn.

„Wir wissen heute, dass bei guter Prophylaxe und richtiger Behandlung die eigenen Zähne ein Leben lang halten können – also durchaus 80, 90 Jahre alt werden“, sagt Petra Hahn von der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie am Universitätsklinikum Freiburg. Sie führt die aktuelle Entwicklung auf das gestiegene Gesundheitsbewusstsein in Deutschland und den Industrienationen allgemein zurück. „Die meisten Menschen pflegen ihre Zähne sorgfältig und gehen regelmäßig zum Zahnarzt, sodass eventuelle Schäden frühzeitig erkannt und behoben werden können. Das wirkt sich natürlich positiv auf die Zahngesundheit aus“, sagt Hahn.

Die Zahnsubstanz wird mit dem Alter spröder

Das Alter hinterlässt seine Spuren an den Zähnen. Was jahrzehntelang abbeißt, kaut, zermahlt, in Limo, Rotwein oder Tabakqualm getränkt wird, wird auch bei penibelstem Putzen nach und nach Gebrauchsspuren zeigen. Bei den Zähnen nutzt sich zum Beispiel der Zahnschmelz mit der Zeit ab. Das darunter liegende Zahnbein, das sogenannte Dentin, wird stärker sichtbar, die Zähne erscheinen dunkler und gelblicher. Sie werden zudem immer mineralischer und dadurch fragiler.

Ein Zahn wird ein Leben lang über den Speichel mit Mineralien angereichert. Irgendwann ist eine gewisse Sättigung erreicht. „Die Zahnsubstanz wird immer spröder und anfälliger für Frakturen – wie Porzellantassen. Es kann deshalb gut sein, dass ein gesunder Zahn im hohen Alter scheinbar einfach so zerbricht“, sagt Petra Hahn. Auch beim Nerv zeigt sich das Alter: Während er in jungen Jahren noch viel Raum einnimmt im Zahn, zieht er sich mit den Jahren mehr und mehr zurück und bildet um sich herum neue Zahnsubstanz.

Woran liegt der Eindruck längerer Zähne?

Eine weitere Alterserscheinung im Gebiss: Das Zahnfleisch geht zurück und die Zähne stehen nicht mehr so tief im Kieferknochen wie bei jungen Menschen. „Optisch entsteht so der Eindruck längerer Zähne, das liegt daran, dass die Zahnwurzeln zu sehen sind. Hier ist entsprechend auch sorgfältige Pflege gefragt. Gelingt dies nicht, zum Beispiel weil die Feinmotorik nachlässt, besteht das Risiko, dass ein Patient, der sein Leben lang tadellos gesunde Zähne hatte, sie mit 70 dann doch noch verliert“, sagt Petra Hahn. Ein älterer Mensch müsse sehr viel mehr für seine Zahngesundheit tun als ein jüngerer. Und das ist manchmal gar nicht so einfach.

Die nachlassende Feinmotorik ist eines der Hauptprobleme, mit dem ältere Menschen bei der Mundpflege zu kämpfen haben. Das beginnt bereits ganz banal bei der Zahnbürste: Der Griff eines handelsüblichen Modells ist für Senioren oft zu dünn, sie können sie nicht mehr richtig greifen und entsprechend nicht richtig einsetzen. Das frustriert auf Dauer und führt zu weniger Sorgfalt beim Putzen. Hier helfen spezielle Seniorenzahnbürsten mit dickerem Griff. Wer ein Leben lang mit der Handzahnbürste für Sauberkeit in den Zahnreihen gesorgt hat, sollte sich in späteren Jahren überlegen, ob er nicht doch zur elektrischen Bürste wechselt: Auch die haben dickere Griffe und sind wegen automatisierter Putzbewegung wesentlich einfacher zu handhaben. Viel Fingerspitzengefühl verlangt auch das Einfädeln von Zahnseide in die Zahnzwischenräume. Gelingt das nicht mehr so gut, helfen spezielle Halter, in die die Zahnseide eingespannt werden kann.

Auf keinen Fall sollte auf die Zahnpflege verzichtet werden, wenn sie mühsamer wird. Dieses Phänomen beobachtet Ina Nitschke häufig. „Das zeigt sich sehr deutlich auch bei den Zahnarztbesuchen“, sagt die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ). „Lange gilt: Die Menschen gehen regelmäßig zum Zahnarzt und eher seltener zum Hausarzt. Mit zunehmender Gebrechlichkeit wandelt sich das: Die Leute gehen eher zum Hausarzt, weil sie bestimmte Medikamente brauchen, und vernachlässigen dafür den präventiven Besuch beim Zahnarzt. Das bricht regelrecht ein. Im Ergebnis fehlt die Kontrolle und die Möglichkeit, rechtzeitig zu reagieren. Wenn wir die Leute dann in den Senioreneinrichtungen als Pflegebedürftige wieder zu sehen bekommen, herrschen in den Mündern oft katastrophale Zustände.“ Sehr häufig, sagt Nitschke, bliebe ihr und ihren Kollegen nur, die verbliebenen Zähne zu ziehen. Ein trauriges Ende für ein Gebiss, das lange gut umsorgt worden ist. Die DGAZ möchte daher, dass eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung für Pflegebedürftige und für Menschen mit Behinderungen zur Kassenleistung wird, wenn sie nicht mehr zur sorgfältigen Mundhygiene in der Lage sind. Dabei hat der Zahnarzt zudem mögliche Schäden des Gebisses im Blick und kann rechtzeitig reagieren.

Ein wichtiger natürlicher Schutzfaktor, der den Zähnen vieler älterer Menschen verloren geht, ist der Speichel. Davon haben Senioren weniger als junge Menschen, weil sie durch ein verringertes Durstgefühl weniger trinken. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Medikamente den Speichelfluss reduzieren. Fehlt aber die Spucke, bleibt das Essen länger an den Zähnen haften, es kommt zu Karies. Die Bakterien, die Karies verursachen, haben bei alten Zähnen besonders leichtes Spiel: Der Rückgang des Zahnfleisches sorgt für freigelegte Zahnhälse, oft sind auch die Zahnwurzeln sichtbar. Das bietet den Bakterien mehr Angriffsfläche. Schlimmstenfalls kommt es dann sofort zu einer Wurzelkaries.

Alle zehn Jahre erscheint die Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS). Schon in der letzten, der DMS IV aus dem Jahr 2005, hat sich gezeigt, dass die Deutschen besser auf ihre Zähne achten: 75 Prozent der 65- bis 74-Jährigen besaßen noch über die Hälfte ihrer eigenen Zähne. Im Schnitt sind das 17,8 Zähne – bei der Vorgängerstudie DMS III, die 1997 durchgeführt wurde, waren es 14,4 Zähne. Zurzeit läuft die Auswertung der fünften Studie zur Mundgesundheit. Die ersten Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich die Zahl der fehlenden Zähne weiter verringert hat.

Parodontitis ist bei Senioren weit verbreitet

Das sind gute Nachrichten. Ein anderer Aspekt bereitet den Zahnärzten der Republik allerdings Sorgen: Der hohe Anteil an Parodontitis – im Volksmund Parodontose genannt – bei Senioren. Es ist eine von Bakterien verursachte Entzündung, die oftmals im Zahnfleisch beginnt und dann auf das Zahnbett selbst übergreift. Die erkrankten Zähne tun in den meisten Fällen nicht weh, werden also erst vom Zahnarzt erkannt. Das ist nicht nur schlecht für den Mundraum selbst. Die Bakterien aus der Mundhöhle wandern in die Lunge ab und können hier besonders bei immungeschwächten Personen starke Entzündungen verursachen.

Zahlreiche Studien zeigen, wie sich gute Mundhygiene und andere Erkrankungen gegenseitig bedingen. So ist zum Beispiel erwiesen, dass sich Parodontitis und Diabetes-Typ-II beeinflussen. Vereinfacht gesagt: Verbessert sich die Parodontitis, verbessert sich auch der Verlauf der Diabetes und umgekehrt.

„Gerade bei alten Menschen haben wir es selten nur mit einem bestimmten Zahnproblem zu tun. Meist gilt es, weitere Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes, Demenz oder Depression mit in die Behandlung einzubeziehen“, sagt Markus Brakel von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Ziel sei eine individualisierte, interdisziplinäre Zahnmedizin. Das heißt: Hausarzt, Zahnarzt, Geriater, der Patient selbst und vielleicht auch die Angehörigen sprechen die Therapie miteinander ab und beziehen dabei die gesamte Krankenakte des Patienten mit ein.

Elektrische Zahnbürsten machen das Putzen leichter

Die Prävention als Schlüssel für gesunde Zähne bis ins hohe Alter erfordert aber auch entsprechend geschultes medizinisches Personal. „Hier muss dringend mehr getan werden“, sagt Brakel. Die Zahnmedizin ringt seit langem um die Verabschiedung einer neuen Approbationsordnung, in der Aspekte der Alterszahnmedizin festgehalten werden sollen.

Rund 54.000 Vertragszahnärzte praktizieren derzeit in Deutschland. Etwa 100 davon, schätzt Ina Nitschke von der DGAZ, haben sich als Spezialisten für Seniorenzahnmedizin bei der DGAZ fortgebildet und eine entsprechende Prüfung abgelegt. Jedes Jahr kommen etwa zehn bis 15 weitere hinzu. „Dem Fach wird in Deutschland nach wie vor zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt“, sagt Nitschke. Während zum Beispiel alle vier Schweizer Universitäten bei der Ausbildung von Zahnärzten die Alterszahnmedizin ganz selbstverständlich unterrichten und im Staatsexamen abfragen, gibt es in Deutschland keinen einzigen Lehrstuhl für Seniorenzahnmedizin. Lediglich vier Universitäten haben die alten Zähne und betagte Patienten sowohl theoretisch als auch praktisch im Lehrplan stehen – jedoch nur freiwillig.

 

Bericht von www.badische-zeitung.de

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