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Störungen am Kauapparat. Es knirscht, knackt und schmerzt

Verspannte Kaumuskeln oder ein asymmetrisches Kiefergelenk können auch an entfernten Körperstellen. Dies zu erkennen, kann der erste Schritt zur Heilung sein.
Anhaltende oder gar stärker werdende Schmerzen als Anzeichen von Schwäche. «Nimm eine Tablette», lautet der Rat der Umgebung. Nur selten begeben sich Betroffene wie Mediziner auf eine möglicherweise langwierige und schwierige Suche nach anderen als rein organischen Ursachen von Schmerzen.

Aber nur „die Zähne zusammenbeissen“, das kann das Problem erst richtig verschärfen und sogar chronifizieren. Es wird sich als craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) bezeichnet. Eine solche Funktionsstörung kann Schmerzen im Gesicht, Hals, Nacken und Rücken auch Migräne, Schwindel oder Tinnitus hervorrufen.

Langer Weg zur Diagnose
Die Liste der möglichen Symptome ist lang – und unspezifisch. Daher können die Betroffenen und auch die meisten Ärzte die Zusammenhänge von nicht erkennen. Manche Spezialisten haben zwar von der CMD gehört, aber auch als Modediagnose. Für die Betroffenen beginnt also ein Monatelange und von immer stärkeren Schmerzen begleitete Ärzte-Odyssee.

Dominik Ettlin, Zahn- und Humanmediziner am Zentrum für Zahnmedizin in Zürich. Jeder Arzt sollte seiner Meinung nach bei den Schmerzen ohne eindeutige Ursache für Kaugeräusche und durch den Zustand der Kaumuskulatur abklären. Denn wie sein Kollege Christoph Leiggener, Schmerzspezialist an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsspitals Basel, ist die Überzeugung, dass die Ursache der craniomandibulären Dysfunktion sehr oft in einer verspannten Kaumuskulatur liegt. Dadurch würden sich unphysiologische Kräfte auf den gesamten Kauapparat einwirken und es zu einer krankhaften Störung des Systems kommen. Da über Verbindungen im Zentralnervensystem die Muskelstränge im Gesicht mit Nenen und Schultern verbunden sind,

Nur zwei Ärzten braucht es bei klarem Beschwerdebild nur in Ausnahmefällen bildgebende Verfahren, um etwa seltene Tumore oder eine Arthrose auszuschliessen. Mindestens ebenso wichtig sei es, beim Patienten anhaltende Stressauslöser wie permanenten Zeitdruck oder Probleme im privaten und privaten Bereich zu erkunden, sagt Ettlin. Denn nahezu immer trete die CMD in einem solchen Kontext auf. Um diese Zusammenhänge zu erkennen.

Verschiedene Ursachen
für andere Mediziner gibt es an der verspannten Kaumuskulatur noch weitere Ursachen für eine craniomandibuläre Dysfunktion – war eine eindeutige Diagnose erschweren kann. Dirk Polonius, Facharzt für Rehabilitationsmedizin, und der Zahnarzt Philipp Zeitler vom Münchner Prienamed-Ärztehaus, also auch Verschiebungen im Skelett und damit zu einem CMD führen können. Gleiche gelte für eine leichte Asymmetrie im Biss oder für die Höhe schlecht eingestellte Kronen oder Füllungen.

«Schon ein Höhenunterschied von 200 Mikrometern zwischen Rechter und Linker Backenzahnreihe bei geschlossenem Biss kann eine schwerwiegende Störung im Kauapparat auslösen», sagt Polonius. Man beisse und malme dann unbewusst die ganze Zeit. Dadurch würden sich die Asymmetrie, Kiefergelenk und Kaumuskulatur überbeansprucht. Jeder Zahnarzt solle daher bei Asymmetrien im Biss suchen, fordert auch Zeitler.

Auch weltweit herrscht in Bezug auf die Entstehung der CMD derzeit keine Einigkeit. Aber unisono wird betont, dass nicht jede Asymmetrie oder behandlungsbedürftige Krankheit darstelle. Bei vier von fünf Personen träten solche Erscheinungen vorübergehend oder nur in geringem Masse auf, heisst es. Acht bis zehn Prozent der Bevölkerung entwickeln. Und es würden immer mehr, wird gesagt. Ob das an vermehrtem Stress, genauerem Hinschauen oder auch an der Vergrößerung von radikalen kieferchirurgischen Behandlungen liegt, darüber wird noch intensiv debattiert.

Warum nicht aus jeder Störung im Kauapparat eine chronisch-schmerzhafte Erkrankung wird, das weiss derzeit niemand. Möglicherweise spielen genetische Faktoren wie eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit oder eine verstärkte Tendenz, ein Schmerzgedächtnis zu entwickeln, eine Rolle. Vermutlich können manche Stress. Außerdem könnten einige leichte Asymmetrien in einem Gelenk besser kompensieren als andere, so wird vermutet.

Wie kann man nicht so schnell wie möglich eine craniomandibuläre Dysfunktion entwickeln. Frauen, meist zwischen 30 und 50 Jahre alt, berichtet der Schmerzspezialist Leiggener. Dies könnte ein dem hormonell bedingt weicheren Gewebe liegen, welches eher zu Verspannungen neige, also wird unter Experten spekuliert. Oder an vermehrtem Stress durch die Doppelbelastung mit Beruf und Familie; oder daran, dass Frauen meistens eine weniger ausgeprägte Muskulatur besitzen, also Asymmetrien oder Muskelverspannungen. Hinter vorgehaltener Hand wird vereinzelt auch eingeräumt, dass alle jungen Frauen zwischen 30 und 50 Jahren eine CMD erkrankten, die Kritikern der umstrittenen Diagnose Munition liefert.

Zahnschiene und anderes
Trotz allen offenen Fragen und Disputen gibt es auch eine gute Nachricht. Ist die Diagnose CMD einmal gestellt, gelingt es fast immer, die Betroffenen zu heilen oder ihnen größtenteils schmerzfrei zu machen. Wichtig sind dabei die Schulung der Körperwahrnehmung, sagen die befragten Ärzte. Außerdem kommt immer eine spezielle Zahnschiene zum Einsatz, um das ganze System zu entspannen.

Ob auch einzelne Zähne aufgebaut werden, um eine fehlende Biss-Symmetrie wiederherzustellen, darüber herrscht in der Ärzteschaft kein Konsens. Gegen die in den USA populären, aber mit etlichen Nebenwirkungen behaftete Anwendung von Botox zur Entspannung der Muskulatur. Ebenfalls unbestritten ist, dass für viele CMD-Patienten eine Änderung der belastenden Lebenssituation nötig wäre. Aber das ist in den meisten Teilen leichter gesagt als getan.